Aus Fehlern lernen und das Unternehmen stärker machen

Interview mit Sven Heinrich, Geschäftsführer und Gründer der Firma Heinrichs Putzhelden GmbH – Gebäudereinigung in Berlin.

Herr Heinrich, Sie haben die Firma Heinrichs Gebäudereinigung GmbH gegründet und sind auch der Geschäftsführer. Wieso haben Sie sich 2018 entschieden, sich selbstständig zu machen und wie kamen Sie darauf, die Branche der Gebäudereinigung zu wählen?

Da muss ich etwas ausholen – und gleich zu Beginn etwas korrigieren. Die Heinrich Gebäudereinigung habe ich im Januar 2006 gegründet und sie 2017 in die Heinrichs Putzhelden GmbH umgewandelt. Der Beweggrund mich selbstständig zu machen, war zum einem der Reiz an den grenzenlosen Möglichkeiten und zum anderen das große Bedürfnis vieles anders zu machen, als was ich erleben musste.

Warum die Branche der Gebäudereinigung?

Das ist leicht erklärt. Meine schulische Laufbahn war nicht gerade von Erfolgen geprägt, wenngleich ich mich sehr gerne an diese Zeit zurück erinnere. Dies ist aber eher den unzähligen wunderbaren Freundschaftsgeschichten zu verdanken. Heraus kam ein einfacher Hauptschulabschluss, den ich in einem berufsvorbereitenden Schuljahr nachgeholt habe. Nachdem meine Eltern darauf drängten, weniger Zeit auf der Couch zu verbringen und einen gesellschaftlichen Beitrag zu leisten und mich zufällig ein Freund darum bat, ihn zu einem Einstellungstest zu begleiten, nutzte ich diese Gelegenheit mich ebenfalls diesem Test hinzugeben. Dies war dann meine erste Berührung mit der Gebäudereinigung. Der Start meiner Ausbildung bei Gegenbauer.

Sven Heinrich – Geschäftsführer („Foto von www.der-gottwald.de“)

Wie hat sich Ihr Unternehmen seit der Gründung entwickelt?

Das ist spannend, denn in Zahlen kann ich sagen, dass es eine wirkliche Erfolgsgeschichte ist. Wir haben es wirklich geschafft, jedes Jahr unseren Umsatz zu steigern. Allerdings gab es auch viele Momente und schwierige Situationen, harte Entscheidungen die es zu überstehen galt, die das Unternehmen aber auch erst zu einem richtigen Unternehmen machen. Ich muss aber auch sagen, dass all das für mich auch ganz klar dazu gehört. Dieses Stolpern und Aufstehen und dann an anderer Stelle erneut stolpern und dann wieder aufstehen macht es für mich so realistisch – und auch so lebhaft spürbar.

Jeder steht bei der Firmengründung vor schwierigen Entscheidungen. Was war Ihre schwerste strategische Entscheidung, die Sie für die Firma treffen mussten?

Es gibt täglich Entscheidungen, die getroffen werden müssen, die mal mehr und mal weniger schwer sind. Allerdings gibt es genau zwei, die mir dazu besonders einfallen. Zuerst – und das ist mit Abstand die größte Erfahrung die ich machen musste, allerdings auch durfte – war die Trennung von meinem gesamten Officeteam. Angefangen mit meiner damals doch schon besten Freundin, die ich zur Office Managerin ernannte, wuchs das Team in der Heldenzentrale – so nennen wir unser schönes Büro – auf 7 Mitarbeiter an.

Die Aufträge nahmen rasant zu und somit erschien mir der Zuwachs durch verwaltendes Personal nur logisch.

Ich war überwiegend damit beschäftigt, im Außen daran zu arbeiten, das Unternehmen besser aufzustellen und kümmerte mich um das Akquirieren neuer Kunden und die Bestandskundenpflege. Ich habe, und das ist etwas was ich mir tatsächlich vorwerfen muss, alles laufen lassen was den Innendienst betrifft und darauf vertraut, dass meine Freundin immer Entscheidungen zum Wohle des Unternehmens trifft.

Letztlich musste ich allerdings feststellen, dass dem nicht so war und sich das gesamte Team stark mit ihr verbündet hatte. Ein Bündnis an sich ist per se nichts schlechtes, es darf nur nicht “gegen” etwas im Unternehmen sein. Allerdings entwickelte sich dies aber so stark gegen mich und somit auch gegen meine Werte “respektvoller Umgang und Wertschätzung aller Menschen”. Zu Beginn war dies erst nur ein Gefühl, welches sich immer stärker in mir auftat, welches mich sogar so weit brachte, an mir und meinem Unternehmen zu zweifeln. Als ich daraufhin in die Gespräche mit dem Team ging wurde aber schnell klar, dass hier etwas erschaffen wurde, was in keinem Unternehmen Platz finden darf.

Das gute Ende dieser Geschichte brachte die Kündigung und sofortige Freistellung meiner Freundin. Danach brach das gesamte Gerüst des Mitarbeiter-Stammes zusammen. Es folgten noch viele Offenbarungen über geheime Anti-Chef-Chats und Absprachen, von denen nichts an mich weitergegeben werden sollte. Sowie das gegenseitige Zerreißen um die besten Positionen im Unternehmen.

Bin ich sauer, bin ich frustriert? Nein, im Gegenteil.

Ich bin so unfassbar dankbar, diese außergewöhnliche Erfahrung gemacht zu haben und dennoch noch zu bestehen, und das noch stärker als zuvor. Die zweite schwere Entscheidung habe ich erst Ende letzten Jahres getroffen. Wir haben all unseren Kunden mit kleinen Objekten alles Gute gewünscht, uns für das jahrelange Vertrauen bedankt und uns verabschiedet. Dies entsprach 65 Prozent unseres gesamten Kundenstammes an Unterhaltskunden. Also diejenigen, die wir das gesamte Jahr über wöchentlich bedienten.

Warum? Wir gehen einen großen Schritt zurück, stellen uns stärker und noch qualitativer auf, um dann 3 große Sprünge nach vorn in Richtung neue Zielgruppe zu machen. In erster Linie schaffen wir hiermit erstmal Zeit, die wir intensiv nutzen, um uns noch besser für unsere großen Kunden aufzustellen. Digitalisierung, papierloses Büro, innere und äußere Strukturen werden optimiert, noch mehr Mitarbeiterschulungen werden stattfinden, sowie die strategische Ausrichtung des gesamten Unternehmens. Bis jetzt spüren wir, dass dies der richtige Schritt zur genau richtigen Zeit war. Schön war es auch zu lesen, wie unsere Kunden mit der Verabschiedung umgegangen sind. Sie waren traurig, da sie mit uns endlich mal Ruhe gefunden hatten, aber sie haben uns auch vom Herzen alles Gute für unsere Reise gewünscht.

Die Vernetzung von Firmengründern ist zum Erfahrungsaustausch sehr wichtig. Welchen Tipp können Sie Firmengründern oder Menschen die sich mit einem Business selbständig machen wollen, geben?

Diese Frage könnte zu keinem besseren Zeitpunkt kommen. Ich habe dem Thema “Netzwerk” nie wirklich Beachtung geschenkt. Nun habe ich aber damit begonnen und spüre sofort, was für eine Power dahinter steckt. Ich bin in einem Netzwerk mit über 100 weiteren Unternehmern. Wir sind alle über Slack verbunden und tauschen uns hier über wirklich Alles aus. Und das Beste ist, das passiert hier alles auf Augenhöhe. Daher mein Tipp, lass dich nicht von davon abhalten, Menschen einfach anzusprechen. Und schrecke nicht davor zurück, dass dieser Mensch vielleicht schon viel mehr Jahre Erfahrung hat, oder mehr Mitarbeiter sowie mehr Umsatz. Viele freuen sich sogar darüber, ihre Erfahrungen teilen zu können.

Die größten Unternehmen der Welt haben auch Fehler gemacht und sind trotzdem zu Weltmarktführern geworden. Was war aus Ihrer Sicht ein Fehler und welche Lehre konnten Sie daraus für sich ziehen?

Jetzt könnte ich sowas sagen wie “Es ist nicht entscheidend wie oft du hinfällst, sondern wie oft du wieder aufstehst” (was ich ja damit auch gleich getan habe 😉 … ). Allerdings steckt da auch viel Wahres drin. Es ist nur so, dass wenn man wie ich nun mittlerweile schon seit über 5 Jahren in der Welt der Persönlichkeitsentwicklung rumreist, man immer wieder auf dieselben Sprüche trifft. Und das ist so wie 8 mal den selben Witz zu hören. Allerdings möchte ich natürlich auch gern diese Frage beantworten.

Ich habe innerhalb meines Unternehmerdaseins mit der Gebäudereinigung bereits 2 weitere Unternehmen gegründet.

Zum einen die “Heinrich & Heinrich UG” und die “Die Ehrenmänner GmbH”. Beide Unternehmen hatten nichts mit der Welt der Gebäudereinigung zu tun und starteten zu Beginn recht erfolgreich. Ich würde diese Projekte, trotz des recht frühen Scheiterns – beide schließen dieses Jahr – nicht als Fehler bezeichnen. Nur was ich sagen kann ist, dass alles einen Fokus benötigt. Fährst du mehrgleisig, benötigst du schon sehr viel Energie, um allem wirklich gerecht zu werden, erst Recht deinem eigenen Anspruch. Dadurch kann es passieren, dass du deine Prioritäten falsch setzt.

Oft verändert sich die Arbeit oder die Aufgaben eines Geschäftsführers mit der Zeit. Wo liegt der Schwerpunkt Ihrer täglichen Arbeit und wie hat sich dieser Schwerpunkt seit der Gründung verändert?

Na die ersten Jahre bestanden daraus, einfach wirklich alles zu machen. In der Nacht für saubere Büros sorgen, dann mittags ins Office um Angebote und Rechnungen zu schreiben und dann am Nachmittag los, um Flyer zu verteilen. Das war natürlich nicht jeden Tag so, allerdings war mir klar, dass eben nichts von allein passiert. Zuerst kam dann der Schritt zur Suche einer helfenden Hand bei den Gebäudereinigungsarbeiten. Ach ja, ich weiß das noch wie heute.

Es fühlte sich so an, als würde ich eine Freundin darum bitten, mir sonntags um 6:00 Uhr beim Umzug zu helfen. Es war mir irgendwie unangenehm. Chef sein war erst nicht so Meins.

Übrigens arbeitet die liebe Petra immer noch bei uns. Der tatsächlich schwerste Schritt zu dieser Zeit, war dann die erste Mitarbeiterin einzustellen, bei mir in meinem kleinen Office. Es fiel mir so schwer, weil ich tatsächlich wenig Vertrauen zu fremden Menschen hatte. Und dann auch gleich ins Herzstück meiner Existenz.

Allerdings wurde ich da menschlich nicht enttäuscht und somit kam alles zur richtigen Zeit. Nun, über 15 Jahre später fühlt sich alles so leicht an, selbst sehr schwere Situationen. Ich habe aber verstanden, dass es zwischen dem Business und mir als Person eine klare Trennung gibt. Alles was mir hier in der Putzheldenwelt widerfährt, hat nichts mit mir als Menschen zu tun. Das macht Vieles sehr klar und um Welten leichter. Mein Feuer für meine Mitarbeiter und meine Kunden ist dennoch am brennen, wie am Tag eins. Nur meine Aufgabenfelder haben sich klar verlagert. Marketing, sowie strategische Ausrichtung und die Kundenkommunikation auf Geschäftsführer-Ebene gestaltet jetzt meinen Arbeitsalltag. Hin und wieder erwische ich mich aber, mich in Mikroprozessen zu verlieren.

Viele Firmen sind in der aktuellen Phase der Pandemie von finanziellen Verlusten bedroht. Wie sind Sie mit dieser Krise umgegangen und wie planen Sie aus dieser Krise hervorzugehen?

Auch unser Jahr startet bereits mit 70 Prozent weniger Gewinn als im gleichen Vorjahreszeitraum. Allerdings spüren wir rein energetisch nichts davon, weil wir uns gerade voll auf die Zukunft konzentrieren. Wir haben alles auf rot gesetzt und einen großen Niedrigzins-Kredit der KfW aufgenommen, weil wir wissen, dass alle Kunden da draußen die sich einen verlässlichen Reinigungspartner wünschen, das Recht haben uns zu kennen und lieben lernen zu dürfen. Wir investieren alles in die Zukunft, weil wir an uns und das was wir leisten, glauben. So dass wir alles in die strategische Neuausrichtung unserer Putzhelden investieren.

Die Gebäudereinigung wird durch Ihre „Putzhelden“ durchgeführt, Ihre Mitarbeiter, welchen Einfluss hat die zunehmende Digitalisierung auf Ihre Branche? Ist es beispielsweise absehbar, dass die Aufgaben irgendwann von Putzrobotern oder selbstständigen Maschinen ausgeführt werden?

Heinrichs Putzhelden GmbH aus Berlin – Die Putzhelden (Quelle und Copyright Sven Heinrich)

Ich bin mir sicher, dass auch im Dienstleistungssektor diese Entwicklung immer weiter voranschreiten wird. Ich finde das aber auch wichtig und sehe dieser Entwicklung mit Spannung entgegen. Der Mensch wird immer eine ganz wichtige Komponente bleiben, nur werden die Aufgabenbereiche einfach mehr im Einklang mit dem tatsächlichen Wert der eingesetzten Zeit eines jeden Menschen stehen. In der Logistik ist zum Großteil schon viel automatisiert und von Robotern gesteuert.

Tatsächlich ist das Leben eines Menschen und zudem, zu was er imstande ist zu leisten, wertvoller als 40 Jahre die selbe Tätigkeit am Fließband auszuführen.

Gleiches sehe ich auch in der Gebäudereinigung. Große Flächen wie Fußböden und Glasfassaden werden zukünftig zunehmend von Robotern gereinigt. Was allerdings die Reinigung von Arbeitsplätzen und verwinkelten Flächen, die sogenannten Ecken und Kanten angeht, werden wir noch eine lange Zeit auf Handkraft angewiesen sein.

Führungsstärke, Visionen und Rhetorik. Jeder Mensch hat andere Stärken. Was ist aus
Ihrer Sicht die wichtigste Eigenschaft, die ein Geschäftsführer und Firmengründer haben sollte?

Ich denke, von Allem etwas. Aber eines, etwas das ich seit Tag Eins lebe, ist mit Abstand das wichtigste – die Menschlichkeit. Um Unternehmer zu sein musst du erstmal ein Unternehmen haben. Und dieses besteht eben aus vielen anderen Menschen. Du kannst der größte Redner sein, mit der klarsten Vision, aber wenn du Menschen nicht mit Respekt und Wertschätzung gegenübertrittst, wird das was du dir vorstellst keinen langfristigen Erfolg haben.

Es gibt so viele Unternehmen für Gebäudereinigung in Deutschland, viele kleine aber auch die ganz Großen. Warum glauben Sie, dass Sie mit den Putzhelden weiter erfolgreich sein können?

Ja das stimmt, diese Frage stellt sich wahrscheinlich jeder der ein Unternehmen gründet, egal in welcher Branche. Auch ich habe mir diese Frage gestellt. Warum soll sich ein Kunde, aber auch ein neuer Mitarbeiter gerade für uns und nicht für ein gestandenes und etabliertes Großunternehmen entscheiden? Tatsächlich war die Antwort darauf so einfach.

Ganz am Ende steht immer eine Beziehung zwischen zwei Menschen und ein Gefühl, welches dann für eine Entscheidung und eine langfristige Bindung sorgt.

Ob es der Kunde ist, der auf motivierte und leidenschaftliche Ergebnisse, ausgeführt von hilfsbereiten, freundlichen Menschen trifft, oder der Mitarbeiter, der seinen Arbeitgeber danach bewertet, wie respektvoll und wertschätzend ihm Kollegen und Führungskräfte gegenübergetreten und er entscheidet langfristig zu bleiben. Am Ende geht es eben nicht um Größe, sondern darum, als Mensch tagtäglich wahrgenommen zu werden. Und genau das ist es, was nicht nur uns auszeichnet, sondern auch viele andere Unternehmen, die es verstanden haben, den Menschen immer im Mittelpunkt zu sehen.

Wir danken für das Gespräch.

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